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Kalker Trieur-Fabrik/Kaufhof

An der Fassade dieses Gebäudes lässt sich noch das kaufhoftypische Grün erkennen. Nach dessen Schließung 2012 wurde das Gebäude 2018 bis auf die Fassade abgerissen und dahinter neue Wohnungen und Gewerbeflächen errichtet.
Bis 1933 trug die Kaufhof AG den Namen „Leonhard Tietz AG“. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 waren die jüdischen Inhaber gezwungen worden, die Firma weit unter Wert zu verkaufen, der Name wurde geändert.
Vor dem Kaufhaus Tietz befand sich auf dem Gelände die Trieurfabrik Johann Mayer. Trieure waren Unkrautauslesemaschinen auf Basis gelochter Bleche; sie wurden von Kalk aus in die ganze Welt geliefert.

Trieurfabrik Johann Mayer
Etwa dort, wo heute das ehemalige Kaufhofgebäude steht, gründete der gelernte Silberschmied Johann Mayer im Jahr 1862 eine Werkstatt für gelochte Blechteile. 1868 präsentierte er auf einer Landwirtschaftsausstellung in Köln eine daraus entwickelte Unkrautauslesemaschine, den sogenannten Trieur. Mit diesem Gerät konnten Getreidekörner von Unkrautsamen getrennt werden – für die Landwirtschaft eine wichtige Erfindung. Die „Kalker Trieurfabrik und Fabrik gelochter Bleche Mayer und Cie“ entwickelte sich zu einem weltweit führenden Anbieter. 1912 verlegte die Familie Mayer die Produktion nach Rath-Heumar; der Kalker Fabrikstandort wurde später aufgegeben.

Leonhard Tietz AG
1929 wurde an dieser Stelle eine Filiale des „Kaufhaus Leonhard Tietz“ eröffnet. Bereits seit 1895 gab es die große Hauptfiliale an der Hohe Straße. Es waren Kaufhäuser nach französischem Vorbild, die Produkte aus ganz unterschiedlichen Sparten unter einem Dach anboten, zu festen Preisen, mit Umtauschmöglichkeiten. Dies alles war damals im Einzelhandel etwas vollkommen Neues. Seit 1898 befand sich auch der Firmensitz in Köln. Anfang der 1930er Jahre unterhielt die Leonhard Tietz AG Filialen an rund 50 Standorten.
Nach der Machtergreifung Hitlers im Februar 1933 geriet das Unternehmen und die jüdische Inhaberfamilie Tietz sehr schnell ins Visier der Nationalsozialisten. Bereits im April wurde Geschäftsführer Alfred Tietz genötigt aus dem Vorstand zurückzutreten. Die Familie Tietz wurde gezwungen ihre Anteile am Unternehmen deutlich unter Marktwert an ein Bankenkonsortium zu verkaufen. Im Juli 1933 erfolgte die Zwangsumbenennung in „Kaufhof AG“. Alfred Tietz floh mit seiner Familie über Umwege in das britische Mandatsgebiet Palästina, wo er 1941 verstarb.

Kaufhof AG
Auch in Kalk wurde 1933 aus dem „Kaufhaus Leonhard Tietz“ der „Kaufhof“. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde er im Stil der 1950er-Jahre wieder aufgebaut und erhielt seine charakteristische, heute denkmalgeschützte Fassade. Nichts erinnerte mehr an das Vorgängerunternehmen. Seit den 1970er Jahren wurde kaum noch in das Gebäude investiert, 2005 eröffneten mit den Köln Arcaden ein starker Konkurrent. 2012 erfolgte die Schließung der Filiale.

Literatur
Bilz, Fritz, Zwischen Kapelle und Fabrik. Die Sozialgeschichte Kalks von 1850 – 1910, Köln 2008, S. 161.
Bützler, Heinrich, Geschichte von Kalk und Umgebung – Bilder aus alter und neuer Zeit (Nachdruck der Ausgabe von 1910), Köln 2000, S. 250.
Meynen, Henriette, Köln: Kalk und Humboldt-Gremberg (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 7), Köln 1990, S. 358.

Online
Jüdisches Leben 1933 – 1945, Orte jüdischen Lebens in Köln, Hohestraße 41- 54 Kaufhaus Leonhard Tietz (Zuletzt aufgerufen 06.01.26).
https://juedischesleben1933-1945.de/orte.aspx?o=1&id=
KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital, Kaufhof Kalk vormals Kaufhaus Leonhard Tietz (zuletzt aufgerufen 06.01.26).
https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-
Landtechnik-historisch.de, Kalker Trieurfabrik Mayer und Cie (Zuletzt aufgerufen 04.05.26).
http://www.landtechnik-historisch.de/historische-landmaschinen-von-a-bis-z/k/kalker-trieurfabrik#!prettyPhoto[pp_gal]/1/

Bildnachweis
1 Geschichtswerkstatt Kalk e.V. 2025
2 Geschichtswerkstatt Kalk e.V., Bildarchiv, K.H. Fuchs.
3 Geschichtswerkstatt Kalk e.V., Bildarchiv, Fotograf:in unbekannt.