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Chemische Fabrik Kalk (CFK)/Köln Arcaden

Dort wo sich heute die Köln Arcaden befinden, stand bis 1996 die Chemische Fabrik Kalk (CFK). Sie produzierte u. a. Kunstdünger und Soda.
Die CFK hatte zusammen mit Klöckner-Humboldt-Deutz einen großen Anteil an der Entwicklung Kalks von einem kleinen Dorf zu einem wichtigen Industriestandort vor den Toren Kölns. Mit ihren hohen Werksbauten und Schornsteinen prägte sie über Jahrzehnte das Erscheinungsbild Kalks. Mehr zur Geschichte der Chemischen Fabrik hier.

Die Chemische Fabrik Vorster & Grüneberg wurde 1858 durch den Kaufmann Julius Vorster und den späteren Chemiker Hermann Grüneberg gegründet. 1892 wurde sie in Chemische Fabrik Kalk umbenannt, die bis 1993 chemische Produkte herstellte. Die Familien Vorster und Grüneberg führten das Unternehmen über viele Jahrzehnte. Ein zentrales Produkt war Kunstdünger sowie Soda, welches für die Herstellung von Glas und Waschmittel benötigt wird. Später kamen Phosphate für die Futtermittelherstellung hinzu. Anfang des Jahrhunderts waren rund 1.200 Menschen bei der CFK beschäftigt.
Während des Ersten Weltkriegs stieg das Unternehmen in die Produktion von Substanzen für die Herstellung von Sprengstoff ein. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde diese wieder verstärkt. Auch bei der CFK wurden Zwangsarbeiter ausgebeutet. Es waren bis zu 400 Männer und Frauen aus ganz Europa, die auf dem Werksgelände in Baracken leben mussten.
Durch Luftangriffe der Alliierten wurden die gesamten Produktionsanlagen schwer beschädigt. In der Nachkriegszeit erfolgte der Wiederaufbau, bereits 1950 hatte die Fabrik ihr altes Produktionsvolumen wieder erreicht. Jedoch wurde versäumt in größere Modernisierungen zu investieren. Zwischen 1955 und 1973 kamen durch Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und Italien, der Türkei und weiteren Ländern „Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter“ nach Köln und waren auch bei „der Chemischen“ tätig. In den 1960er-Jahren arbeiteten rund 2.400 Menschen bei der CFK. In den 1970er-Jahren setzte dann der schleichende Niedergang mit einer ersten Entlassungswellen ein. Die Düngemittelproduktion endete 1988, die Sodaerzeugung lief noch bis 1993, mit zuletzt rund 700 Beschäftigten.
Die Schließung vieler Industrieunternehmen ab den 1980er Jahren und die Entlassung tausender Arbeitender bedeutete für Kalk eine große Zäsur und läutete einen Strukturwandel im Stadtteil ein.

Mit der Sprengung des Hauptschornsteins endeten 1996 die Abrissmaßnahmen. Heute ist nur noch der Wasserturm von der alten Bausubstanz erhalten. Das Werksgelände war durch Chemikalien stark verunreinigt. Es dauerte weitere fünf Jahre, bis das Gelände giftfrei war. Neben den Köln Arcaden befinden sich u.a. der Bürgerpark, die Hauptwache der Kölner Polizei, Filialen von Bauhaus und Music Store sowie verschiedene Neubausiedlungen auf ehemaligem CFK-Boden.

Weitere Stationen mit CFK-Bezug:
CFK: Wasserturm
CFK: Firmenlogo, STAL 1 Turbine und Schaltpulte
CFK: Dampfmaschine mit Kolbenkompressor

Literatur
Bilz, Fritz, Die Geschichte des Kalkbergs – der Brei wird niemals fest, Köln 2022.
Bilz, Fritz, Zwischen Kapelle und Fabrik. Die Sozialgeschichte Kalks von 1850 – 1910, Köln 2008, S. 135.
Bützler, Heinrich, Geschichte von Kalk und Umgebung – Bilder aus alter und neuer Zeit (Nachdruck der Ausgabe von 1910), Köln 2000, S. 283.
Meynen, Henriette, Köln: Kalk und Humboldt-Gremberg (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 7), Köln 1990, S. 308.
Böck, Monika – Fremdarbeiter – Zwangsarbeiter, in: Geschichtswerkstatt Köln-Kalk e.V. (Hrsg.), Kalk im Nationalsozialismus, Köln 2000.

Online
KuLaDig Kultur. Landschaft. Digital, Kartenansicht [> räumliche Ausdehnung des CFK-Werks in Kalk] (zuletzt aufgerufen am 06.01.2026).
https://www.kuladig.de/Karte/O-80276-20131127-5
NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Datenbank Zwangsarbeiterlager, Eintrag Chemische Fabrik Kalk (zuletzt aufgerufen am 06.01.26).
https://museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/Details-Zwangsarbeiter?sfrom=1012&id=181&stt=K%c3%b6ln-Kalk

Weiterführende Links
Köln Arcaden
https://www.koeln-arcaden.de/

Bildnachweis
1-3 Geschichtswerkstatt Kalk e.V. 2025.
4,6 Geschichtswerkstatt Kalk e.V., Bildarchiv, König.
5,7,8 Geschichtswerkstatt Kalk e.V., Bildarchiv, Fotograf:in unbekannt.
9 Geschichtswerkstatt Kalk e.V., Bildarchiv, Rogowski.
10 Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv, rba 18 997 www.bildindex.de/document/obj05213212?part=0&medium=mi01287d04