Bei Gottfried Hagen wurden Produkte aus Blei produziert, unter anderem Bleiakkus (= Akkumulatoren). Außerdem war eine Gummifabrik angeschlossen. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es für kurze Zeit auch eine Sparte für elektrisch betriebene Automobile, die sich jedoch nicht rentierte.
Gegründet wurde die Firma 1827 als Metallhandel mit Sitz in der Kölner Altstadt. 1839 folgte die Gründung einer Fabrik für Bleiröhren und -bleche. 1884 stieg die Familie Hagen dann in die Herstellung von elektrischen Akkumulatoren (=Akkus) ein, genauer Bleiakkus. Da für deren Gehäuse und Trennelemente Gummi benötigt wurde, kam 1900 noch eine Fabrik für „technische Gummiwaren“ hinzu. Bereits 1890 war der Betrieb, um sich vergrößern zu können, ins heutige Humboldt /Gremberg (damals Gemeinde Vingst) umgezogen. Zwischen 1904 und 1908 wurden in der Abteilung „Automobilwerke“ elektrisch angetriebene Pkw und Nutzfahrzeuge hergestellt. Aufgrund von Verlusten wurde diese Sparte jedoch wieder aufgegeben. Um 1910 waren rund 1.200 Menschen bei Gottfried Hagen beschäftigt.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden auch bei Gottfried Hagen Zwangsarbeiter ausgebeutet. Es waren bis zu 350 Männer und Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern, die unweit des Werks in Baracken leben mussten. Durch Bombenangriffe der Alliierten wurde das Werksgelände stark beschädigt; in der Nachkriegszeit erfolgte der Wiederaufbau.
1983 ging die Firma in Konkurs. Der Boden war – ähnlich wie bei der Chemischen Fabrik Kalk – großflächig mit Chemikalien belastet, sodass eine umfangreiche Sanierung notwendig war, bei der bis 1995 ein Großteil des Baubestands abgerissen wurde. Heute erhalten sind die ehemalige Bleigießerei an der Rolshover Straße (unter Denkmalschutz), ein dahinter liegender Verwaltungsbau sowie eine ehemalige Werkshalle an der Lüderichstraße, die alle in Nutzung durch verschiedenste Mieter sind. Auf dem ehemaligen Werksgelände ist zudem das „Rechtsrheinische Technologie-Zentrum (RTZ) entstanden sowie verschiedene Büro-Neubauten.
Literatur
Fritz Bilz, Zwischen Kapelle und Fabrik. Die Sozialgeschichte Kalks von 1850 – 1910, Köln 2008, S. 169.
Bützler, Heinrich, Geschichte von Kalk und Umgebung – Bilder aus alter und neuer Zeit (Nachdruck der Ausgabe von 1910), Köln 2000, S. 281.
Meynen, Henriette, Köln: Kalk und Humboldt-Gremberg (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 7), Köln 1990, S. 640.
Online
Kultur Landschaft Digital, Accumulatorenfabrik Gottfried Hagen in Humboldt/Gremberg (zuletzt aufgerufen am 06.01.26).
https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290429
Archiv Axel Oskar Mathieu Zur Geschichte der Nutzfahrzeuge, Gottfried Hagen [PDF-Datei] (zuletzt aufgerufen am 06.01.26).
https://archiv-axel-oskar-mathieu.de/pdfs/Hagen_Gottfried.pdf
NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Datenbank Zwangsarbeiterlager, Eintrag Gottfried Hagen AG (zuletzt aufgerufen am 06.01.26).
https://museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/Details-Zwangsarbeiter?sfrom=1012&id=303&stt=K%c3%b6ln-Gremberg
Weiterführende Links
Internationaler Bund Arbeitsprojekt
https://www.internationaler-bund.de/standort/209112/
Rechtsrheinisches Technologie- und Gründerzentrum Köln RTZ
https://www.biocampuscologne.de/en/rtz/home?46d0111b_page=1
Bildnachweis
1-4 Geschichtswerkstatt Kalk e.V. 2025
5 Geschichtswerkstatt Kalk e.V., Bildarchiv, König.
6 Geschichtswerkstatt Kalk e.V., Bildarchiv.






