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Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD): Hallen 71 und 70

In diesen ehemaligen KHD-Hallen befanden sich große Fertigungs- und Montagehallen. Halle 70 wurde zunächst als Spezialgießerei genutzt. Seit den 1930er-Jahren erfolgte in beiden Hallen der Bau von Aufbereitungsanlagen für die Bergbauindustrie. Für diesen Zweck wurden sie noch bis 2016 benutzt. Es ist geplant, dass das MUSEUM SELMA in die Halle 70 einzieht.

Die Klöckner-Humboldt-Deutz AG war u.a. im Bereich Maschinenbau und Motorenherstellung tätig (und ist es in Teilen immer noch). Zusammen mit der Chemischen Fabrik Kalk hatte die „Maschinenbauanstalt Humboldt“, eines der KHD-Vorgängerunternehmen, einen besonderen Anteil an der Entwicklung Kalks von einem kleinen Dorf zu einem wichtigen Industriestandort vor den Toren Kölns. Mit ihrem riesigen Werksgelände prägte sie über Jahrzehnte das Erscheinungsbild von Kalk.
Mehr zur Geschichte von Klöckner-Humboldt-Deutz hier.

Die Geschichte der Klöckner Humboldt Deutz AG (KHD), eines der bedeutendsten deutschen Industrieunternehmen des 19. und 20. Jahrhunderts, war geprägt von Firmenfusionen und daraus resultierenden Namenswechseln.
Ihre Wurzeln in Kalk reichen in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als 1856 die Maschinenbauanstalt Humboldt gegründet wurde. Humboldt spezialisierte sich früh auf den schweren Maschinenbau, insbesondere auf Anlagen für Bergbau, Zement- und Hüttenindustrie. In Deutz wiederum entstand 1864 die Gasmotoren-Fabrik Deutz, gegründet von Nicolaus August Otto und Eugen Langen. Dort wurde mit dem Viertakt-Gasmotor (Ottomotor) ein Meilenstein der Motorentechnik entwickelt. Beide Unternehmen wuchsen rasch und prägten den industriellen Aufstieg des Rheinlands. In der Zwischenkriegszeit wurden sie organisatorisch zusammengeführt und 1938 unter dem Namen Klöckner-Humboldt-Deutz AG vereint. Das Produktportfolio reichte nun von Gas- und Dieselmotoren über landwirtschaftliche Traktoren bis hin zu Nutzfahrzeug- und Industriemotoren. Parallel blieb der klassische Anlagen- und Schwermaschinenbau, etwa für Zementwerke und Aufbereitungsanlagen, ein wichtiges Standbein.
Während des Nationalsozialismus war KHD in die Rüstungswirtschaft eingebunden. Das Unternehmen produzierte unter anderem Motoren und technische Ausrüstung für die Wehrmacht. Zugleich beutete KHD in seinen Fabriken Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag ein Großteil der Werke zunächst in Trümmern, Klöckner-Humboldt-Deutz konnte jedoch bereits in den späten 1940er-Jahren die Produktion wieder aufnehmen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich KHD zu einem international tätigen Konzern. Zwischen 1955 und 1973 kamen durch Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und Italien, der Türkei und weiteren Ländern „Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter“ nach Köln und waren auch bei KHD tätig. In den 1970er- und 1980er-Jahren führten Strukturkrisen im Maschinen- und Fahrzeugbau zu tiefgreifenden Umbrüchen, Umstrukturierungen und dem schrittweisen Rückzug aus einzelnen Geschäftsfeldern.
Die (Teil-)Schließung vieler Industrieunternehmen ab den 1980er Jahren und die Entlassung Tausender Arbeitender bedeuteten für Kalk eine große Zäsur und läuteten einen Strukturwandel im Stadtteil ein.

Die beiden Hallen stehen seit 2016 leer. Für die Halle 70 ist geplant, dass dort das Museum Selma einzieht, das die Geschichte der Migration in Deutschland neu erzählt.

Weitere Stationen mit KHD-Bezug:
KHD: Zweiwalzenmühle
KHD: Backenbrecher
KHD: Hallen 54 und 100/Machwerkhaus
KHD: Hallen 58,59, 60
KHD: Hallen 75, 76 und 77

Literatur
Bilz, Fritz, Kalker Unternehmen in der Zeit des Nationalsozialismus, in: Geschichtswerkstatt Köln-Kalk e.V. (Hrsg.), Kalk im Nationalsozialismus, Köln 2000.
Bilz, Fritz, Zwischen Kapelle und Fabrik. Die Sozialgeschichte Kalks von 1850 – 1910, Köln 2008, S. 132.
Bützler, Heinrich, Geschichte von Kalk und Umgebung – Bilder aus alter und neuer Zeit (Nachdruck der Ausgabe von 1910), Köln 2000, S. 240.
Meynen, Henriette, Köln: Kalk und Humboldt-Gremberg (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 7), Köln 1990, S. 230.
Lehndorff-Felsko, Angelika, Uns verschleppten sie nach Köln, Auszüge aus 500 Interviews mit ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, Köln 2015.

Online
Kölner Stadt-Anzeiger, Arbeiten gegen den Verfall – So steht es um die Hallen Kalk (zuletzt aufgerufen am 06.01.26).
https://www.ksta.de/koeln/kalk/kalk-veedel/koeln-so-steht-es-um-die-hallen-kalk-arbeiten-gegen-den-verfall-1-1076585
KuLaDig Kultur. Landschaft. Digital, Kartenansicht [> räumliche Ausdehnung des KHD-Werks in Kalk] (zuletzt aufgerufen am 06.01.26)
https://www.kuladig.de/Karte/O-80289-20131127-6
Museum Selma, Architektur (zuletzt aufgerufen am 06.01.26)
https://www.museum-selma.de/architektur

Weiteführende Links
DOMiD e.V., Museum Selma
https://www.museum-selma.de/

Bildnachweis
1, 2 Geschichtswerkstatt Kalk e.V. 2025