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Rangier- und Güterbahnhof Kalk-Nord

„Kalk Nord“ war ab 1910 der größte Rangierbahnhof für den Güterverkehr in der Region. Dazu gehörte bis in die 1950er-Jahre auch ein großes Bahnbetriebswerk zur Versorgung von Dampflokomotiven. Während des Nationalsozialismus verantwortete die Deutsche Reichsbahn in unmittelbarer Nähe des Geländes das größte Zwangsarbeiterlager in Kalk.

Kalk ist heute von Eisenbahnstrecken umgeben, aber erst spät erhielten seine Bewohner einen ersten Bahnhof. 1875 wurde der „Rheinische Bahnhof“ eröffnet, der später in „Kalk-Nord“ umbenannt wurde und bereits 1886 wieder schloss.
An ähnlicher Stelle entstand damm 1910 der Rangier- und Güterbahnhof „Köln Kalk Nord“. Er war notwendig geworden, da um die Jahrhundertwende der Eisenbahngüterverkehr in Köln und Umgebung sprunghaft angestiegen war. Er wurde erhöht, auf einem neu aufgeschütteten Bahndamm errichtet und überdeckte das Gelände des alten Personenbahnhofs fast vollständig.

Während des Nationalsozialismus war die Deutsche Reichsbahn verantwortlich für das größte Zwangsarbeiterlager in Kalk. Das sogenannte Reichsbahnlager befand sich an der damaligen Grenzstraße im nördlichen Bereich des Rangierbahnhofs, heute Remscheider Straße. Zwischen 1941 und 1944 waren in den Baracken bis zu tausend Personen unter schlechten Bedingungen untergebracht. Heute befindet sich dort eine Kleingartensiedlung.

Bahnbetriebswerk
Ein inzwischen völlig verschwundener Teil dieses Bahnhofs ist das Bahnbetriebswerk: eine Einrichtung, in der Dampflokomotiven die nötige Pflege, Versorgung und Wartung erhielten. Es befand sich neben der Straße „In den Reihen“ und verfügte über einen Ringlokschuppen mit 32 Lokomotivgleisen. Später kam ein zweiter mit sechzehn Standgleisen dazu. In der Nachkriegszeit folgte ein Strukturwandel hin zu Diesel- und Elektroloks. 1959 endete die Lokomotivbeheimatung im Bahnbetriebswerk. 1976 wurde die Bausubstanz komplett abgerissen und auch der ikonische Wasserturm mit einem Kugelbehälter aus Metall gesprengt.

Der Rangierbahnhof Kalk-Nord ist heute ein wichtiger Knotenpunkt für den Schienengüterverkehr im Kölner Großraum.

Literatur
Bützler, Heinrich, Geschichte von Kalk und Umgebung – Bilder aus alter und neuer Zeit (Nachdruck der Ausgabe von 1910), Köln 2000, S. 304.
Meynen, Henriette, Köln: Kalk und Humboldt-Gremberg (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 7), Köln 1990, S. 88.
Böck, Monika – Fremdarbeiter – Zwangsarbeiter, in: Geschichtswerkstatt Köln-Kalk e.V. (Hrsg.), Kalk im Nationalsozialismus, Köln 2000.

Online
NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Datenbank Zwangsarbeiterlager, Eintrag Grenzstr., Deutsche Reichsbahn (zuletzt aufgerufen am 06.01.26).
https://museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/Details-Zwangsarbeiter?sfrom=1012&id=145&stt=K%c3%b6ln-Kalk

Weiterführende Links
Stellwerk Köln Kalk Nord Kl (In den Reihen) 
https://stellwerke.info/stw/stw.php?id=12050 
Van Ham Auktionen Kunstauktionen, Bernd und Hilla Becher – Wasserturm, Köln-Kalk
https://www.van-ham.com/de/kuenstler/bernd-und-hilla-becher/80874.html

Bildnachweis
1 Geschichtswerkstatt Kalk e.V., Bildarchiv, Fotograf:in unbekannt.